Zum Wochenende
Auffallende Worte, die ich diese Woche gehört, gelesen oder benutzt habe: verschmitzt, Frühjahrsmüdigkeit, burlesk, Liebelei, verzwickt, Rolltreppenbenutzungsordnung, Vollbartwahlkampf (gefunden beim hauptstadtblog), friedliebend, Sterbeneigung, Biergartenlaune. Letzteres ist auch meine Empfehlung für den heutigen Feierabend.
Allen ein schönes Wochenende! Und wie immer gilt Peter Lustig: „Abschalten“!
Berliner Billig-Lyrik
Zum Wochenende ein bisschen Lyrik. Moderne deutsche Lyrik hat es oft schwer. Unverständlich, einer kleinen Zielgruppe oft intellektueller Hochstapler ausgeliefert, muss sie Tag für Tag um ihre Existenz kämpfen. Aber manchmal gibt es Sternstunden.
„Flugzeuge im Bauch
Im Blut Kerosin
Kein Sturm hält sie auf
Unsere Air Berlin
Die Nase im Wind
Den Kunden im Sinn
Und ein Lächeln stets mit drin
Air Berlin“
Das ist die Warteschleife der Billigfluglinie Air Berlin. Sie geht noch ein bisschen weiter („Wir heben gut ab – doch abgehoben sind wir nie“), aber ich lass’ das mal. Wenn das nicht Hochkultur ist. Klarer Fall: Weg damit!
Die Riesenmaschine hat vor einer ganzen Weile schon mal darüber berichtet. Deshalb erspare ich mir weitere Recherche und verlinke einfach. So.
Schuld daran ist übrigens die Firma Jamba LADAGE Media aus Herford. Auf deren Homepage heißt es stolz:
„Mit den Produzenten des Air-Berlin-Songs sind Sie auf der richtigen Seite.“
Das Böse hat einen Namen.
Spontan-Spechten
Der Herr Rau hat einem Architekten zugehört und sich so schöne Wörter wie „Hörsamkeit“ und „Materialität“gemerkt. Man sollte mal eine große „Sammlung der Fachsprache“ machen, finde ich. Herr Rau jedenfalls kommt zu dem Schluss:
„Ich mag Fachsprache und Jargon. Bei Hobbyastronomen habe ich mal ‘Russenschleuder’ und ‘Spontan-Spechten’ aufgeschnappt. Wunderbare Sache, Wörter.“
Genau.
Ich selte, du seltest, …
Was man als Kind so alles versteht. Ein völlig neues Wort hat lady kinkling geschaffen. Hier gibts mehr…
Frühlingsgefühl(e), Subst.
Was für ein Wort! Die Lippen wandern vor und zurück, alleine zwei Mal zum „Ü“… Man hört richtig, worum es hier geht: Das erste Mal in einem Jahr im Park zu liegen, die Sonne zu spüren und die Frühlingsmädels zu entdecken. Google, das Maß aller Dinge, kennt genau 925.000 Frühlingsgefühle. Und findet sogar einen Beitrag von 3sat, in welchem wir erfahren, dass es diese Gefühle gar nicht gibt (hier). Der Hormon-Experte meint nämlich:
„‘Die Frühlingsgefühle spielen sich höchstens im Kopf ab’, sagte Reincke. Beispiel: Die im Frühling angesagte leichtere Bekleidung könne dazu führen, dass der Betrachter sexuell erregt werde. ‘Doch das dürfte auch im Winter der Fall sein’, sagte Reincke.“
So einfach ist es dann doch nicht, oder? Frühlingsgefühle gibt es übrigens auch bei Hunden. Meinen manche. Und nicht nur Hunde, auch Jugendliche haben Frühlingsgefühle. Gefunden im Zielpublikum Weblog (hier). Da äußert sich das dann so:
Wie dem auch sei: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche (…mehr) und uns bleibt nur eine Wahl: Mehr davon!
zeitnah(e), Adj.
Ein schönes Wort – wenn man nur den Klang beachtet. Die heutige Anwendung jedoch: Grauenhaft. Eigentlich bedeutet es ja, „sich mit den gesellschaftlichen Problemen eines bestimmten historischen Zeitraums, bes. der Gegenwart, auseinandersetzend, sie nicht außer acht lassend“ (so steht es im digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache hier).
Heute aber benutzen wir „zeitnah“, wenn wir eigentlich sagen wollen: „Hmm, keine Ahnung, wann. Nicht sofort, nicht in einer Weile, schon irgendwie bald. Aber halt jetzt nicht.“ Oder in einer anderen Variante: „Mach deinen Scheiß Mist doch selbst!“ (freie Übersetzung).
Das führt dann zu so schönen Sätzen wie: „Mittels eines internetfähigen Handys können Montagearbeiten zeitnah rückgemeldet werden.“ (hier). Und: Dieses grauenhafte Wort hat sogar ein eigenes Magazin (hier). Schlimm. Liegt es an den Sachsen?
Also, liebe Kollegen: Macht eure Sachen sofort oder später, aber bitte nicht zeitnah. Klares Votum: Weg damit!
Bald geht’s los.
Lange kann es ja schließlich nicht dauern, das hier einzurichten. Hoffentlich.


