zeitnah(e), Adj.
Ein schönes Wort – wenn man nur den Klang beachtet. Die heutige Anwendung jedoch: Grauenhaft. Eigentlich bedeutet es ja, „sich mit den gesellschaftlichen Problemen eines bestimmten historischen Zeitraums, bes. der Gegenwart, auseinandersetzend, sie nicht außer acht lassend“ (so steht es im digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache hier).
Heute aber benutzen wir „zeitnah“, wenn wir eigentlich sagen wollen: „Hmm, keine Ahnung, wann. Nicht sofort, nicht in einer Weile, schon irgendwie bald. Aber halt jetzt nicht.“ Oder in einer anderen Variante: „Mach deinen Scheiß Mist doch selbst!“ (freie Übersetzung).
Das führt dann zu so schönen Sätzen wie: „Mittels eines internetfähigen Handys können Montagearbeiten zeitnah rückgemeldet werden.“ (hier). Und: Dieses grauenhafte Wort hat sogar ein eigenes Magazin (hier). Schlimm. Liegt es an den Sachsen?
Also, liebe Kollegen: Macht eure Sachen sofort oder später, aber bitte nicht zeitnah. Klares Votum: Weg damit!

Naja, aber wie kann man sonst dem Chef sagen, dass man keine Lust drauf hat? ;-)
Max
25 April, 2007 um 1153
Da bin ich nun ein Sachse und kenne das Zeitnah-Magazin nicht. Habe ich aber auch nichts verpasst, oder? Es stehen dann Artikel mit einem „zeitnahen“ Bezug zur Realität darin. Stimmt, das Wort muss wech!
Holger
25 April, 2007 um 2117
Ist ja immer alles relativ ;-) Eins noch: Bei der Deutschen Post AG gibt es ein Projekt „Zeitnahe Sterbedaten“. Das klingt irgendwie – unangenehm.
wortretter
26 April, 2007 um 1513
Danke für die „zeitnahe“ Antwort. Bei der Post, denke ich, ist manchmal die Zeit stehengeblieben. Vor zwei Wochen wollte doch die Post einen seit 556 Jahren verstorbenen Maler zum Briefmarkensammeln animieren.
Holger
26 April, 2007 um 2034