Seit einem Jahr ist der wortretter geschlossen, dicht, am Ende. Doch immer noch verirren sich verwirrte Menschen auf diese Seite. Deshalb: Das ist ein neues Projekt: besserEssen. Anschauen. Jetzt.

Alice Schwarzer macht Werbung für Bild. Die Frau, die für Gleichberechtigung kämpft(e) wie keine andere, macht Werbung für ein Blatt der Titten, Luder und Höschen-Skandale. Auf der einen Seite ist es widerlich. So unangenehm und peinlich berührend, dass man gar nichts mehr dazu sagen möchte. Auf der anderen Seite hat sie eins geschafft: Ihr gesamtes Bemühen wird mit einer einzigen Werbung konterkariert, diskreditiert und wasauchimmeriert. Und ihr Versuch der Rechtfertigung? Macht nichts besser. Egal, wem sie spendet. 

Wortspiele wie “Ein Schwarzer Tag für die Emanzipation” verbieten sich. Die Hintergründe gibt’s hier bei Stefan Niggemeier.

PS: Kein Wort sollte man darüber verlieren, dass die Bild Werbung mit Willy Brandt macht. Der kann sich ja nicht wehren. Natürlich ist das noch viel widerlicher.

 PPS: Und nein, kein Wort, wie unmöglich sich Alice Schwarzer gegenüber Christine Westermann bei “Zimmer frei” benommen hat (leider kein Video, nur die Informationen zur Sendung).

Mit dieser ganz besonders hässlichen Formulierung leite ich eine längere Pause in diesem Blog ein. Danke für’s Lesen. 

Oh Schreck, Oh Schreck
Das Kind ist weg
Das Kind hat sich versteckt
Was hat es nur
Was hat es nur
Schon wieder ausgeheckt
So ne doofe
Katastrophe
Angeschmiert
Nix passiert
Unerhört
Umgekehrt
Ausgebüchst
Ausgetrixt
Oh Schreck, Oh Schreck
Das Kind ist weg
Die Leute sind empört
Grad war es dort
Jetzt ist es fort
Das ist doch unerhört
So ne doofe
Katastrophe
Angeschmiert
Nix passiert
Unerhört
Umgekehrt
Ausgebüchst
Ausgetrixt.

In diesem Sinne.

Erfrischungstuchbox. Retortenschlacht. Kindesmutter.

Bald wieder mehr.

Eine schwüle Woche geht zu Ende. Was bleibt: Danke für die Erklärung von frau frank, warum Herrenräder (bei Frauen) sexy sind:

“lasziv hing da, bekleidet nur mit einem sehr tief geschnittenen v-pulli, eine bebrillte frau lässig über dem lenker ihres rennrades und liess keinen zweifel.”

Und dann noch dafür. Und für die Überschrift “Busen-Süchtig! Maklerin gefeuert” (ihr wisst schon wo, kein Link).

Ob ich für das neue “Zeitmagazin Leben” (komische Schreibweise) danken soll, weiß ich nicht so genau. Eigentlich sind nur zwei Dinge auffällig: Das langweilige und billig wirkende Layout. Und die unsägliche Selbstbeweihräucherung von Wallraff zu Lasten einer gut gemeinten Reportage. Naja, dem popkulturjunkie gefällt es besser.

Immer wieder Danke sagen muss ich auch diese Woche lady kinkling für ihre Werbung für The Pipettes. Morgens, im Auto, bei Sonnenschein und dem Lied “Judy”- ein guter Start in den Tag.

Jetzt: Biergarten. Schönes Wochenende.

Zuerst dachte ich ja an die leckeren Eszet-Schnitten. Eine gute Schokolade aus Baden-Württemberg.

Aber von wegen. Es geht um das “ß“. Das zum Kleinsein verdammte scharfe S erhält nach 128 Jahren einen großen Bruder - eine Versalform. Im DIN-Zeichensatz ISO-10646 wird ihm in Kürze eine feste Position zugewiesen: 0×1E9C.

Eine echte Aufgabe dürfte das für Schriftdesigner sein. Wer den Vorschlag des Deutschen Institutes für Normung (DIN) und die Diskussion mit der Internationalen Standardisierungs-Organisation (ISO) in Ruhe nachlesen will, der kann das hier (pdf, mit Beispiel). Profis diskutieren hier.

Die Blogwelt ist sich nicht so ganz sicher: Im Fontblog zumindest gibt es aufgeregte Diskussionen.

Mir sind die Details eigentlich egal. Aber einen neuen Buchstaben, den kriegt man nicht alle Tage. Und dass ich die Frage des Dönermannes “Mit Scharfes?” endlich auch groß schreiben kann, das beruhigt mich. In diesem Sinne: “MIT ß!”

ESZET-Fabrik mit Grabkapelle

Wir bleiben beim Ableben. Sein Leben lang spricht man, teilt sich mit, erklärt, berichtet, antwortet, sagt, bestärkt, verneint, drückt aus, meint, hofft, bittet, fragt, stellt fest - und dann plötzlich spürt man: Noch genau ein Satz und es ist mit mir vorbei!

Eine harte Aufgabe, wenn man also auf dem Bette liegt, sich den letzten, alles erklärenden Satz zurecht legen will und feilt und bastelt, bis er passt. Nicht einfach, aber bei dem Einen oder Anderen kommen große Ergebnisse zustande. Hier eine Auswahl.

Bestes Letztes Wort - Kategorie “genervt”

I’m so bored with it all.” (Winston Churchill)

Bestes Letztes Wort - Kategorie “lässig”

That was a great game of golf, fellers.” (Bing Crosby) und “I should never have switched from Scotch to Martinis.“ (Humphrey Bogart)

Bestes Letztes Wort - Kategorie “realistisch-pragmatisch”

If this is dying, then I don’t think much of it.“ (Lytton Strachey, britischer Schriftsteller)

Bestes Letztes Wort - Kategorie “Fehleinschätzung”

That guy’s got to stop. He’ll see us.“ (James Dean)

Bestes Letztes Wort - Kategorie “Wichtigtuer”

My name and memory I leave to men’s charitable speeches, and to foreign nations and to the next ages.” (Francis Bacon)

Und zum Schluss die Kategorie “Wird schon alles”:

“Gott sei deiner Seele gnädig” sprach der Priester und Charlie Chaplin antwortete: “Why not? After all, it belongs to him.“

Die Begrüßung auf der Homepage ist nüchtern und selbstbewusst:

“Die Stiftung Warentest empfiehlt vor dem Grabmalkauf einen Blick ins Grabmal-Portal.”

Was für ein Wort. Grabmalkauf. Wenn man es schnell ausspricht, dann könnte es auch ein “kleiner possierlicher Nager” sein, der im Vogtland vorkommt. Der Grabmalkauf lebt in schattigen Wiesenbereichen und ernährt sich von… Aber von wegen possierlich. Ein hartes Thema. Autokauf, Lebensmitteleinkauf - alles ok. Aber Grabmalkauf? Wer auf morbide Worte und völlig neue Einblicke Wert legt, dem sei diese Seite empfohlen.

 ”Zu Lebzeiten entworfen und erworben, könnte ein Grabmal in Bootsform, in einem Garten hervorragend als Gartenbank dienen.” (hier nachzulesen)

Mein Grabstein als Gartenbank? Mit Taubenschiss drauf? Dann doch lieber ein Fußball.

 Quelle grabmalportal.de

 Was bleibt? Der bekannte Warnspruch: Augen auf beim Grabmalkauf!

Irgendwie macht mich dieses schwüle Wetter ein wenig bräsig. Ich kenne bräsig in der Bedeutung träge, faul, langsam - bezogen auf den Körper als auch auf den Geist. Ein schönes, altes Wort, dessen Bedeutung schon im Klang klar wird. Man kennt es in Süddeutschland und im Ruhrgebiet (dort allerdings mit anderer Bedeutung).

Es scheint allerdings aus dem Norden zu kommen: Fritz Reuter (”Ut mine Stromtid“) hat die Figur des “Onkel Bräsig” geprägt, den es heute noch in Büchern und als Hörspiel gibt: “Abendteuer des Entspekter Bräsig, bürtig aus Meckelborg-Schwerin, von ihm selbst erzählt”.

Wikipedia bemerkt: “As een vun ganz wenige Schrievers hett Reuter sien Ut mine Stromtid sogor op de sprakene Spraak inwarkt, de de Figurn Pomuchelskopp un Bräsig as charakterliche Prototypen övernahmen hett.” Read the rest of this entry »

Ende. Die Harald-Schmidt-Show im Ersten ist Geschichte. Was wie ein schlechter Aprilscherz wirkt, ist bittere Wahrheit. Harald Schmidt erhält einen Parter: Oliver Pocher. Ab Herbst heißt die Sendung “Schmidt&Pocher”. Vollidiot statt Wortwitzmeister. Auch wenn Dirty Harry in letzter Zeit ein bisschen nachgelassen hat, graut es mir vor Pochers Plödeleien.  Der ARD-Programmchef dagegen freut sich (und sieht die Teenager scharenweise von Pro7 zur ARD wechseln):

“Im Augenblick ist er ja noch als selbsternannter B-Promi auf Tour. Aber an der Seite von Harald Schmidt im Ersten wird Oliver Pocher - da bin ich mir sicher - ganz schnell zum A-Promi aufsteigen.”

Bei medienrauschen herrscht Wortkargheit: Mehr als ein ironisches “Gutes Gelingen” gibt’s nicht. Und auch in den Straßen von Berlin dachte man erst an einen Aprilscherz. Weil es gerade so schön passt: Hier nochmal der Link zur Anti-GEZ-Aktion. Und hier.

Ein Nachtrag: Spreeblick bringt es unter der Überschrift “Gänsehaut” auf den Punkt. Lesen! Und ich hatte schon von einer gemeinsamen Show von Harald Schmidt zusammen mit Charlotte Roche geträumt. Ach ja.

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Mal groß mal Klein. Gefunden in der empfehlenswerte Schildergalerie bei Schätzlein auf http://www.flickr.com/photos/schaetzlein/140194489/

Warum zur Zeit alles ”voll auf den G-Punkt” geht, erklärt gerade Reinhard Mohr in Spiegel online. Der G8-Gipfel in Heiligendamm ist das Thema bei Gloablisierungskritikern - und vielen anderen. “Und selbst der heilige Geist des Protestantismus ist schon total fixiert auf den G-Punkt des unseligen Globalisierungsgipfels” schreibt Mohr und zitiert dann denn Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der fordert, man solle einen “Heiligen Damm des Gebetes” errichten. Heiliger Dünnbrettbohrer! Was für ein Wortspiel. Da beißt die Maus keinen Faden ab, dreht sich Hund im Grabe um und der Dichter wird in der Pfanne verrückt (Reihenfolge ähnlich). 

Ok, man kann den Gipfel kritisieren, die Sicherheitsmaßnahmen dort oder die Kritiker kritisieren oder was auch immer. Aber ein “Heiligen Damm des Gebetes”? Das ist echt hart. Rein sprachlich gesehen.

… werde ich sicherlich nichts in der nächsten Woche zu tun haben. Wahrscheinlich aber mein Spam-Ordner. Kümmert mich aber nicht, da ich bis Mitte nächster Woche weg bin. Neue Wortrettungen gibt’s dann wieder. Bis dahin.

In der aktuellen Ausgabe des Magazins der Süddeutschen Zeitung findet sich ein netter Artikel zur Sprache in Partnerschaften. Abgründe tun sich da auf. Trotzdem gut zu lesen.

“Weil sie sich angeblich so lieben, weigern sich viele Paare heutzutage, wie Erwachsene miteinander zu sprechen. Die Spätfolgen sind verheerend.”

Heureka! Kaum sitzt mal einer unter einem Baum und kriegt einen Apfel auf den Kopf oder gemütlich in der Badewanne, da passiert es. Es zuckt einmal durch das ganze Hirn: Der Geistesblitz ist da. Phonetisch und semantisch ein großartiges Wort. Man braucht keine Erklärung, weiß sofort, was ein Geistesblitz bedeuten soll (auch wenn Wikipedia uns die Eingebung trotzdem erklärt). Der Blitz klingt kurz und schnell; und das ist er auch. Man ahnt das schwere Weltendonnern in der Ferne, das einem Geistesblitz folgen kann.

Traurig nur, wenn Geistesblitze entfernt werden müssen:

“Es werden so lange keine Geistesblitze auftreten können, bis wir die entsprechende Mechanik einwandfrei überarbeiten konnten. Wir entschuldigen uns für die notwendige vorläufige Entfernung der Geistesblitze und arbeiten daran, sie mit einem kommenden Inhaltspatch wieder einfügen zu können.”

 Für jemanden, der nicht spielt, klingt das eher seltsam. Für andere wohl ganz logisch. Gefunden hier. Bei google finden wir nur 293.000 Einträge. Selbst “Rentenalter” kommt auf 631.000 Treffer! Gibt es also eher wenige Geistesblitze im deutschen Netz? Ein schlechtes Zeichen.

Doch Hoffnung ist in Sicht: Immerhin sprechen mehrere Blogs, die das Wort im Namen führen, für eine blitzgescheite Blogwelt (hier und hier)! Das ist schön und bringt uns zum eindeutigen Fazit: Mehr davon!

Berliner Cafés werden immer kreativer: Zwar nicht bei der Auswahl zwischen Latte Macchiato, Latte Macchiato oder Latte Macchiato, doch zumindest bei ihren Namen. (Zur Statistik: In Berlin wird im Durchschnitt alle drei Sekunden ein neues Café eröffnet. Alle zweikommadrei Sekunden schließt aber auch eines.) Da geht man abends ins “Zu mir oder zu dir?” und am nächsten Morgen dann ins “Lass uns Freunde bleiben“.

Wenn es mit der Zweisamkeit gerade nicht so gut ausschaut, dann holt man sich die Befriedigung eben woanders: “Kauf dich glücklich” oder naturverbundener im “Glücklich am Park” (hier das Foto von girl). Wer sich richtig damit beschäftigen möchte, schaut sich die juristischen Diskussionen um Kneipennamen an (zum Beispiel hier).

Was meint ihr? Zuviel Kreativität? Oder genau richtig? Mehr davon oder weg damit? Und jetzt: Ab ins “Ruf mich nie wieder an!”

Einen großartigen Dialog gibt es beim Waschsalon. Die Tücken von der Mama und die Mama. Das (vorläufige?) Fazit:

“Deutsch ist eine rätselhafte Sprache.”

Genau.

Da hat den schönen Begriff ”Wortretter” schon jemand anders in seinem Blog benutzt. Denn über besondere Worte macht sich auch bahn-spass so seine Gedanken. Hier.

Eigentlich kennt man sie nur aus den legendären Paukerschreck-Filmen oder Softpornoschinken der 70er Jahre (ich gebe es zu, das ist eine zweifelhafte Filmauswahl). Dabei haben die 70er viele schöne Worte hervorgebracht, an die wir - wenigstens kurz - erinnern sollten. Stellvertretend ehren wir fein, prima, dufte und spitze!

  Lümmel

Etwas ernster: Spannend ist die Sprache der RAF in den 70er Jahren. In der Süddeutschen Zeitung sagt Peter Rühmkorf dazu:

“Es war eine kalte Agitationssprache, eine unmenschliche Sprache, die sich da herausbildete.”